Aktuelles

Erste Hauptversammlung des neuen europäischen Verbandes EUCTL

(Frankfurt, 11.2.2021)

Am 10. Februar 2021 fand die erste – aufgrund der bekannten Umstände virtuelle – Mitgliederversammlung des europäischen Verbandes EUCTL (European Chemistry for Textile and Leather) statt.
EUCTL war 2020 gemeinsam von TEGEWA und dem italienischen Chemieverband Federchimica gegründet worden und soll als europäischer VErband helfen, besser in EU-Gesetzgebungsprozesse eingebunden zu werden und diese aktiv mitgestalten zu können. Die erste Mitgliederversammlung umfasste auch die Wahlen von Vorstand und Präsidenten: So wurde Ralf Kattanek, CHT, zum Präsidenten und Dr. Filippo Pampagnin, Bozzetto, zum Vizepräsidenten gewählt. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind:

Roberto Ghioldi E.R.C.A. S.P.A.
Dr. Giuseppe Li Bassi Lamberti S.P.A.
Dr. Wolfgang Schumann Rudolf GmbH
Marc Smit Smit & Zoon B.V.

Mit der Mitgliederversammlung ist ein wesentlicher Schritt hin zu einer starken europäischen Interessensvertretung für den Bereich Leder- und Textilchemie getan worden.

Europäische Kommission stellt mit Chemikalienstrategie REACH in den Schatten

(Frankfurt, 15.10.2020)

Mit ihrer am 14.10.2020 veröffentlichten “Chemicals Strategy for Sustainability Towards a Toxic-Free Environment” stellt die Kommission äußerst ambitionierte Anforderungen an die chemische Industrie, die nach den Plänen der Kommission im Zeitraum der nächsten vier Jahre umzusetzen wären. Erscheint die Strategie unter zeitlichen Aspekten als unrealistisch, so sind die inhaltlichen Anforderungen mehr als ehrgeizig. Die vom Verband TEGEWA vertretenen Mitgliedsunternehmen und der Verband selbst sehen sich damit vor enorme Herausforderungen gestellt – Herausforderungen, die selbst jene übertreffen, die unter der im Jahr 2007 in Kraft getretenen europäischen Chemikalienregulierung REACH auf die chemische Industrie zukamen.

Der Schutz von Umwelt und menschlicher Gesundheit ist ein selbstverständliches Ziel der Arbeit unserer Unternehmen und des Verbandes. REACH, dessen Implementierung im Verbandsumfeld von Beginn an mit aller Kraft vorangetrieben wurde, bietet alle Möglichkeiten, gefährliche oder „problematische“ Substanzen zu erkennen und zu regulieren. Inwieweit eine Nachhaltigkeitsstrategie, die eine „giftfreie Umwelt“ im Fokus ihrer Arbeiten hat, einen Mehrwert bieten kann, ist aus Sicht des Verbandes TEGEWA derzeit nicht erkennbar.

In enger Zusammenarbeit mit unserem Dachverband VCI und den europäischen Verbänden sowie mit den Organisationen der industriellen Kunden wird der Verband TEGEWA den Strategieprozess auf allen Ebenen begleiten und die Stimme seiner Mitglieder zu Gehör bringen.

Der Verband TEGEWA begrüßt den Vorschlag der EU-Kommission, die Risiken von Hautallergien, die durch chemische Stoffe in Textilien und Lederartikeln verursacht werden können, weiter zu minimieren – der dafür gewählte Ansatz schießt jedoch weit über das Ziel hinaus.

(Frankfurt, 19.8.2020)

Denn zum einen besteht bei Textil- und Ledererzeugnissen grundsätzlich ein beschränktes Verbraucherrisiko, zum anderen sollen gemäß dem Vorschlag alle Substanzen mit einer einschlägigen Einstufung als sensibilisierend beschränkt werden. Dies unabhängig davon, ob sie in der Textil- und Lederherstellung eingesetzt werden oder nicht – und unabhängig davon, ob sie bei einem Einsatz zu Allergien beim Verbraucher führen oder nicht. Dies würde nicht nur zu einer hohen Zahl völlig unnötiger Test- und Kontrollkosten führen, da Textilien und Lederwaren immer wieder auf das Nicht-Vorhandensein regulierter Stoffe geprüft werden müssten, die zur Herstellung diese Verbraucherartikel nicht verwendet werden. Viele Farbstoffe, die seit Jahren, z.T. seit Jahrzehnten im Einsatz sind, würden verboten werden, obwohl es keine Hinweise gibt, dass damit gefärbte Textilien jemals Allergien ausgelöst haben. Der Verband TEGEWA schlägt stattdessen vor, konkrete, wohlbekannte starke Sensibilisierer mit individuellen Grenzwerten zu regulieren und damit die tatsächliche Relevanz und die durch sie verursachte Exposition von Stoffen in Textilien und Lederwaren in den Fokus zu nehmen, so wie es in der Beschränkung von krebserregenden oder erbgutverändernden Stoffen („cmr“-Stoffe) vor wenigen Jahren bereits erfolgreich praktiziert wurde.

Hintergrund: Im Jahr 2019 legten Schweden und Frankreich einen Vorschlag zur Beschränkung von als sensibilisierend eingestuften Substanzen in Textilien und Leder vor. Von diesem Vorschlag sind nicht nur die Textil- und Lederindustrie selbst, sondern auch die vom Verband TEGEWA vertretene Textil- und Lederhilfsmittelindustrie sowie die Farbstoffindustrie stark betroffen. Aus diesem Grunde erarbeitete die Geschäftsführung des Verbandes in enger Kooperation mit den Mitgliedsfirmen, dem Farbstoffverband ETAD und den einschlägigen deutschen und europäischen Verbänden der Textil- und Lederindustrie eine Kommentierung des ersten Beschränkungsentwurfs und reichte sie im Dezember 2019 als Beitrag zur Öffentlichen Konsultation des Beschränkungsverfahren bei der ECHA ein. Dem Ablauf des europäischen Gesetzgebungsverfahren folgend, berieten die Gremien RAC (Risk Assessment Committee) und SEAC (Socio-Economic Analysis Committee) über die eingegangenen Kommentierungen und legten eigene Stellungnahmen vor.

Die „Draft Opinion“ des SEAC konnte über eine öffentliche Konsultation erneut kommentiert werden (Ablauf der Kommentierungsfrist: 24.8.). Aufgrund der hohen Relevanz und Wichtigkeit dieses Themas reichte die Geschäftsführung des Verbandes TEGEWA – erneut in enger Kooperation mit den oben genannten Verbänden – in Bezug auf die SEAC Draft Opinion eine weitere Stellungnahme ein (siehe Verlinkung des Beitrags auf ECHA-Website). Im Fokus dieser Kommentierung stand eine ausführliche Argumentation gegen die Beschränkung bestimmter Dispersions- und Reaktivfarbstoffe. Für die mit diesen Stoffen gefärbten Erzeugnissen gibt es aus Sicht von marktrelevanten Farbstoffherstellern und der Verbände ETAD und TEGEWA keine Hinweise auf eine sensibilisierende Wirkung auf Verbraucher durch Textilien und Lederartikel. Auf der anderen Seite haben diese Farbstoffe eine seit Jahrzehnten ungeheuer große Marktrelevanz, so dass deren Wegfall nicht absehbare Konsequenzen hätte. Dies gilt nicht nur für die Unternehmen, die Farbstoffe für die Textil- oder Lederfärbung herstellen, sondern ebenfalls für die Verbraucher, die zahlreiche Produkte nicht mehr im Handel beziehen könnten. Stattdessen entwickelte der Verband ein Vorgehen auf der Basis einer Liste von Substanzen, die tatsächlich auf Textilen und Lederwaren vorkommen können und die beim Verbraucher zu Allergien führen können. Das Verfahren enthält auch das Vorgehen für eine regelmäßige Aktualisierung der Substanzen, nach dem überprüft wurde, ob sie in dieses Raster fallen.

Neben diesen wichtigen Farbstoffklassen hat der Verband TEGEWA auch auf weitere relevante Einflüsse für die Herstellung von Leder- und Textilartikel hingewiesen, u. a. die flammhemmende und Bügelfrei-Ausrüstung von Textilien und die Gerbung von Leder. Zudem sieht der Verband TEGEWA eine hohe Gefahr für die europäische Herstellung von Textilien und Leder, da vor allem die europäische Industrie von der Beschränkung betroffen sein wird, bei gleichzeitig nicht in allen Fällen gesicherter Qualität und unklarer Verbraucherexposition importierter Waren aus dem außereuropäischen Ausland.

Der Verband TEGEWA setzt somit alles daran, mit seinen Einreichungen zu einer möglichst sinnvollen, sachlich vertretbaren und dem Verbraucherschutz tatsächlich dienenden Regulierung beizutragen.

Ihr Kontakt zu TEGEWA

Verband TEGEWA
Mainzer Landstraße 55
60329 Frankfurt am Main

Tel.: 069 – 25 56 13 39
Fax: 069 – 25 56 13 42

tegewa@vci.de